Neue Presse Coburg, Ausgabe vom 14.12.2019, Seite 17, von Wolfgang Braunschmidt

Aktionsprogramm für Sonnenstrom

Lautertal - Photovoltaikanlagen in der Gemeinde Lautertal dürfen nur noch innerhalb eines Abstands von bis zu 11O Metern zur Autobahn A 73 gebaut werden. Damit soll das Landschafts- und Ortsbild geschont werden. Das hat der Gemeinderat in der vergangenen Woche beschlossen. Die Entscheidung verhindert, dass auf der Anhöhe zwischen dem Skilift Neukirchen und Tremersdorf eine Photovoltaikanlage aufgestellt werden darf, die bis zu 47 Hektar groß sein sollte. 

Den Antrag dazu hatte die Südwerk Projektgesellschaft mbH, Burgkunstadt, gestellt. Deren Geschäftsführer Manuel Zeller Bosse sagte im Gespräch mit der Neuen Presse, das Energieunternehmen werde die Vorgaben der Gemeinde prüfen. Ob Südwerk dann noch einmal darum werben wird, in Lautertal eine Solaranlage zu bauen, ließ der Betriebswirt, der in Coburg, Bayreuth und Berlin studiert hat, offen. Eines sei aber schon heute klar: ,,Allein an Autobahnen werden sich die Ziele der Energiewende in Deutschland nicht erreichen lassen." Mit Blick auf Lautertal betrage das effektiv nutzbare Flächenpotenzial lediglich zehn bis 15 Hektar, ,,sofern die Eigentümer das Land verpachten". 

Hubert Aiwanger, Staatsminister für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie, kündigt im bayerischen „Aktionsprogramm Energie" den Ausbau der Solarenergie an. Der Bund fordert im Vergleich zu heute eine Vervierfachung der Photovoltaik bis 2030 und eine Verfünffachung bis 2040. Dies sei Bestandteil einer nachhaltigen, sicheren und bezahlbaren Energieversorgung, ,,die gleichzeitig auf Akzeptanz stößt". Zudem weist die bayerische Staatsregierung darauf hin, dass Strom aus Sonnenkollektoren unter den erneuerbaren Energien momentan die günstigste sei. ,,Deshalb schalten wir hier den Turbo zu." 

Das scheint noch nicht in allen Städten und Gemeinden angekommen zu sein. Südwerk-Geschäftsführer Manuel Zeller Bosse berichtet von einer Gemeinderatssitzung in Lautertal im Oktober, wo der geplante Solarpark vorgestellt wurde. "Wir hatten da eigentlich einen guten Eindruck." Dann kamen die Bürgerversammlungen, und dort wurde Protest laut. Am Ende war er so massiv, dass der Gemeinderat einen Beschluss fasste, der den Bau von Photovoltaikanlagen nahezu unmöglich macht. ,,Eine Kehrtwende um 180 Grad", bedauert Zeller Bosse.

Dass es auch anders geht, zeige der Solarpark Pfarrweisach-Herbelsdorf im Landkreis Haßberge. Er wird auf Wunsch der Gemeinde direkt neben einem Gewerbegebiet errichtet. „Günstige Energie ist schon immer ein Standortvorteil erster Güte", sagt Zeller Bosse und verweist auf den Preis pro Kilowattstunde (kWh) Solarstrom. ,,Wir produzieren für 3,5 Cent pro kWh." Dass Unternehmen noch stärker auf Produktion und Preis schauen müssen, zeige die Einführung der CO2-Abgabe. 

Manuel Zeller Bosse nennt ein zweites Beispiel. Der Bürgermeister von Parsberg, einer Kleinstadt in der Oberpfalz, habe ein klares Bekenntnis zur Energiewende abgegeben. Wer sie wolle, müsse etwas dafür tun, so der Kommunalpolitiker.

Ergebnis: 
Südwerk hat in Parsberg seine mit 60 Hektar Fläche bislang größte Photovoltaikanlage aufgestellt. ,,Es gibt Gemeinden, die sind sich ihrer Verantwortung bewusst", sagt der Geschäftsführer dazu. 

Er widerspricht Argumenten, mit der Anlage zwischen Neukirchen und Tremersdorf würden Wanderwege abgesperrt und das Spuren der Langlaufloipe unmöglich gemacht. Beides treffe nicht zu. Solaranlagen gefährdeten auch nicht den Rotmilan. Der habe, sagt Manuel Zeller Bosse, Probleme mit Windrädern, aber nicht mit Solarzellen. Im Gegenteil: Der Greifvogel setze sich auf die Module und warte, bis eine Maus vorbeiläuft - auf den naturbelassenen Flächen, auf denen die Kollektoren stehen, eher die Regel denn die Ausnahme. 

In Ebern-Fischbach und Pfarrweisach-Herbelsdorf habe Südwerk ein sehr gutes Verhältnis zu den Jägern, weil sich Wildschweine zwar in Maisfelder, aber nicht in Solarparks zurückziehen und so weniger Flurschäden entstünden. In Hochstadt-Wolfsloch im Landkreis Lichtenfels habe Südwerk für die Jagdgenossenschaft einen Weg gebaut. In Memmelsdorf in Oberfranken führt ein Wanderweg durch die Photovoltaikanlage. In deren Mitte steht ein Pavillon. ,"Der ist immer gut besucht", berichtet Zeller Bosse. 

Was ein Sonnenkraftwerk leistet, zeigt ein Vergleich mit einer Biogasanlage. Für die Produktion von 2,5 kWh Strom pro Jahr sei bei Biogas eine Fläche von 200 bis 300 Hektar notwendig, auf der im Regelfall Mais angebaut werde.

Bei einer Solaranlage mit der gleichen Leistung reduziere sich der Flächenbedarf auf vier Hektar, die zudem als Insektenweide genutzt werden könnten.

Mit Dachflächen seien die Ausbauziele bei der Solarenergie nicht zu erreichen. Pro Person sei eine Fläche von 300 bis 400 Quadratmetern notwendig. Bei einem durchschnittlichen Haus betrage sie aber nur rund 100 Quadratmeter. Die Lücke müsse mit Freianlagen geschlossen werden.

Auf den Kommentar der ÜPW Lautertal nachfolgend zu diesem Abschnitt wird hingewiesen.

Neustadt und Sonneberg gehören zu einer Modellregion, in der die praktische Anwendung von Wasserstoff erprobt wird, beispielsweise für den Antrieb von Autos, Lkw und Lokomotiven. Wird der Wasserstoff mit Solarstrom produziert, fällt nahezu kein klimaschädliches C02 an.

Alles das, so der Geschäftsführer, hätte Südwerk in Lautertal gerne den Bürgern dargelegt. ,,Das konnten wir leider nicht, wir waren abgeschnitten von der Öffentlichkeit", bedauert Manuel Zeller Bosse. Er hofft, dass in Lautertal die Tür noch nicht ganz zugeschlagen ist. Der Klimawandel finde statt, ,"und die Erkenntnis ist, dass wir etwas tun müssen". Die Gewinnung von Sonnenstrom sei dabei ein wesentlicher Faktor. Das sei noch nicht überall in der Gesellschaft angekommen. ,,Deshalb", so der Südwerk-Geschäftsführer, ,,wollen wir stärker informieren und Sachlichkeit in die Diskussion über die Energiewende bringen."

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Dieser Text ist der regionalen Tageszeitung Neue Presse Coburg entnommen unter Kennzeichnung des Autors. Auf die Internetpräsenz des Mediums wird hingewiesen: www.np-coburg.de
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Die ÜPW Lautertal sagt "Danke!"

Kommentar der ÜPW Lautertal

Gemeinderat Dr. Bernd Wicklein, auch im Namen der ÜPW-Gemeinderatsfraktion:

"Zuallererst um Missverständnisse zu vermeiden:
Die im Gemeinderat vertretenen Überparteilichen, d.h. der Erste Bürgermeister Karl Kolb, wie auch meine Fraktionskollegin & -kollegen, sowie der Rottenbacher Ortssprecher Udo Oppel, vertreten nicht die Meinung, die bisherigen Anstrengungen für alternative Energien in der Gemeinde Lautertal wären ausreichend und es brauche nichts Weiteres unternommen zu werden.

Das dürfte übrigens für den Gemeinderat insgesamt auszusagen sein.

Im Gegenteil: Es gilt hier stetig voranzuschreiten und es gibt immer Möglichkeiten zu optimieren und zu ergänzen.

Aber: Ein nachhaltiger und verantwortungsvoller, weil in die Zukunft blickender Umgang mit den zur Verfügung stehenden Flächen der Gemeinde muss hierbei immer das Ziel sein. Unsere Flächen sind begrenzt und an sie gibt es aus vielen Richtungen sehr unterschiedliche Ansprüche.

Wir "ÜPW'ler" begreifen die Aufgabe des Gemeinderates so, dass alle Anforderungen gebührend Berücksichtigung finden sollten, zum Wohle der Gesamtgemeinde. Eine lediglich schwarz-weiße Betrachtung, das halten wir für unangebracht.

Ganz deutlich möchte ich zu verstehen geben: Keine/r von uns ist ignorant und lebt in dem Glauben, der Strom kommt einfach nur aus der Steckdose. Und ausdrücklich, da uns der Vorwurf entgegengebracht wurde: Keine/r von uns führt hier die unterstellte "Neiddebatte" oder ignoriert die Hoffnungen der betroffenen Grundstückseigentümer.
Weder profitiert privat jemand von uns durch die Verwirklichung dieses Solarparks, noch verliert sie oder er etwas dadurch aus ihrem/seinem Eigentum.

Es gibt also keinerlei persönliche Betroffenheit."

Kommentar von Bernd Wicklein zu den Zahlen im Artikel der Neuen Presse vom 14.12.2019:

"Rechnerisch stimmt es, dass man ca. 200 qm Photovoltaikanlage braucht, um die Gesamtenergie für ein Jahr zu erzeugen, die eine Person jährlich für Strom, Wärme, Kraftstoffe und am Arbeitsplatz verbraucht. Aber nur, wenn man die Ziele der Energiewende alleine mit PV-Anlagen umsetzen wollte und z.B. die Windkraft außer Ansatz lässt. 

Momentan erzeugen wir etwa 17 % durch regenerative Energien, davon sind übrigens der überwiegende Teil Brennstoffe, wie z.B. Holz, Hackschnitzel, Pellets. Ausbaufähig im größeren Stil ist eigentlich nur PV und Windenergie. Momentan ist das Verhältnis PV zu Windenergie 2 zu 5. 

Wenn man das Verhältnis beim Ausbau beibehält, reduziert sich die benötigte Fläche pro Person auf etwa 70 qm. Bedeutet für Lautertal bei angenommen ca. 4.500 Einwohnern => 31,5 ha. 
Wäre also machbar allein entlang der Autobahn 73, da schon Solarpark bei Rottenbach aktuell in der Verwirklichung und laut Pressetext und der Fa. SÜDWERK entlang der BAB 73 noch Potential in Höhe von 10-15 ha.

Nichtsdestotrotz dürfen wir uns natürlich einer Aufrüstung der Windräder nicht verschließen, PV auf Dächern kommunal mit gutem Beispiel vorangehen, regenerative Heizsysteme forcieren (Wärmetauscher, Pellet-/ Hackschnitzelheizung, Fernwärme).

Jedenfalls aber lässt sich nicht sagen, die Gemeinde Lautertal verweigert sich den regenerativen Energien oder ruht sich aus.

Abgesehen von diesem großen, aber zwischenzeitlich zurückgezogenen Vorhaben eines Solarparks mit ca. 47 ha, droht Lautertal auch weiterhin eine Stromtrasse, die schlimmstenfalls weitere Bereiche der sog. "oberen Dörfer" durchziehen könnte."


Oben gezeigte Abbildung ansehen, hier klicken.

Weitere Zahlen, laut Umweltbundesamt:

Zitat Umweltbundesamt zur gezeigten Auswertung:
"
Der Endenergieverbrauch (EEV) in Deutschland ist seit Beginn der 1990er Jahre kaum gesunken (siehe Abbildung „Entwicklung des Endenergieverbrauchs nach Sektoren“). Es wird zwar immer mehr Energie effizienter genutzt und teilweise eingespart, doch Wirtschaftswachstum & Konsumsteigerungen verhindern einen deutlicheren Verbrauchsrückgang (siehe auch Artikel "Energieproduktivität"). (...) Ein immer größerer Anteil des Endenergieverbrauchs wird in Deutschland durch erneuerbare Energien gedeckt (...)."

Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien

Zitat: "Die Struktur der Bruttostromerzeugung hat sich seit 1990 deutlich geändert (siehe Abbildung „Bruttostromerzeugung in Deutschland nach Energieträgern“): (...) Der Anteil erneuerbarer Energien (Wasserkraft, Windenergie, Biomasse , biogener Anteil des Abfalls, Photovoltaik, Geothermie) hat sich seit 1990 mehr als verzehnfacht. Diese Entwicklung ist besonders auf die Einführung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) und die Förderung von Kraft-Wärme-Kopplungs-(KWK)-Anlagen zurückzuführen. (...) Die verschiedenen erneuerbaren Energieträger tragen unterschiedlich zum Anstieg der Erneuerbaren Energien bei. So verzeichnet die Wasserkraft nur noch geringe Zuwächse, so dass sie zwar bis etwa zum Jahr 2000 für den Löwenanteil der erneuerbaren Stromproduktion verantwortlich war, danach jedoch von Photovoltaik-, Windkraft- und Biomasseanlagen deutlich überholt wurde und heute weniger als 10 Prozent des erneuerbaren Stroms erzeugt.