Neue Presse Coburg, Ausgabe vom 07.12.2019, Seite 12, Kommentar von Wolfgang Braunschmidt

angemerkt: Es geht um mehr als eine Loipe

Im Ergebnisbericht des Energiegipfels Bayern 2018/2019, den das Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie einberufen hat, heißt es, ,,die Gewinnung, Erzeugung, Verteilung und Speicherung von Energie beansprucht die Natur sowie die Landschaft, und sie beeinträchtigt auch Menschen". Und weiter: ,,Wir brauchen die Ehrlichkeit, dies den Menschen zu vermitteln." Im Landkreis Coburg hat das in jüngster Vergangenheit nicht funktioniert: weder bei den Windrädern im Bürgerwald Welsberg oder am Kraiberg bei Sonnefeld noch beim geplanten Solarpark im oberen Lautertal. 

Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) hat im November 2018 das Ziel ausgegeben, ,,wir wollen die Photovoltaik wieder voranbringen". Sie ist ein Baustein, um die vom Energiegipfel gesetzte Aufgabe zu erfüllen, in Bayern so viel erneuerbaren Strom wie möglich zu produzieren, ,,dezentral und mit Wertschöpfung im ländlichen Raum". Die Energiewende sei auch „eine Wende von relativ wenigen zentralen Erzeugungseinheiten zu vielen regionalen und dezentralen Einheiten". Das bedeutet: Weil das Potenzial der Wasserkraft nahezu ausgeschöpft ist, Biogasanlagen nicht der große Wurf sind und regenerative Energien vor allem am flachen Land, also auch im Landkreis Coburg, produziert werden sollen, gibt es nur zwei Alternativen: Sonnenkraftwerke und Windparks. 

Dafür sind Flächen notwendig. Richtig durchgedrungen ist diese Leitlinie bayerischer Energiepolitik in weiten Teilen der Coburger Bevölkerung bislang offenbar nicht. Und auch nicht die sich daraus ergebende Konsequenz: Wer die Energiewende will, muss Nachteile vor der eigenen Haustür akzeptieren. 

Es macht keinen Sinn, die Diskussion auf Abstandsregeln und Pachtpreise, Skiloipen und alternative Standorte in Nachbargemeinden zu reduzieren, wie es jetzt in Lautertal geschieht. Es geht um mehr: zum Beispiel um die Laufzeit von Kohlekraftwerken - die Coburger Fridays-for-Future-Klimaschützer lassen grüßen. Es geht um neue Stromleitungen, gegen die Tausende Menschen im Landkreis protestiert haben, obwohl sie Solaranlagen ersetzen könnten, mit denen das Coburger Land von Rothenberg bis Neustadt, von Tambach bis Bad Rodach, von Lautertal bis Untersiemau schon zugepflastert ist oder noch wird. Zentrale Stromversorgung aus Windkraftanlagen im Norden bedeutet neue Leitungen, dezentrale Stromversorgung Flächenverbrauch vor Ort. Dies muss man den Bürgern sagen: ehrlich, offen, transparent. Das ist ein langer Prozess, der Präsenz in den Dörfern erfordert, Gesprächsbereitschaft und gute Argumente. Das ist mühselig, aber entscheidend, wenn der Ausstieg aus der Atomenergie reibungslos gelingen soll. 

Denn nach dem Abschalten des letzten Kernkraftwerks im Jahr 2022 muss nicht nur der Computer zu Hause sicher mit Strom versorgt werden, sondern auch die Maschine am Arbeitsplatz. Nicht umsonst fordert der Bund eine Vervierfachung der Photovoltaik bis 2030 und eine Verfünffachung bis 2040. Die geplante Solaranlage bei Lautertal wäre dafür ein Mosaikstein. Das geht in der Auseinandersetzung völlig unter.

Umweltminister Thorsten Glauber hat ein Zitat von Werner von Siemens auf seine Internet-Homepage gestellt. ,,Es kommt nicht darauf an, mit dem Kopf durch die Wand zu rennen, sondern mit den Augen die Tür zu finden", also Kompromisse einzugehen. Das passt im Großen für die Energiewende und im Kleinen für den Solarpark Lautertal.

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Dieser Text ist der regionalen Tageszeitung Neue Presse Coburg entnommen unter Kennzeichnung des Autors. Auf die Internetpräsenz des Mediums wird hingewiesen: www.np-coburg.de
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Die ÜPW Lautertal sagt "Danke!"

Stellungnahme:
1. Bürgermeister 

Solarstromerzeugung & Landschaftsschutz in Einklang bringen

Im Kommentar von Herrn Wolfgang Braunschmidt in der NP-Ausgabe vom 07.12.2019 mit der Überschrift „Es geht um mehr als eine Loipe“, der sich mit dem Projekt einer 47 ha großen Photovoltaik-Freiflächenanlage im Bereich Tremersdorf/Neukirchen befasst, heißt es wörtlich „Es macht keinen Sinn, die Diskussion … für alternative Standorte auf die Nachbargemeinden zu reduzieren, wie es jetzt in Lautertal geschieht.“

Diese Formulierung erweckt den Eindruck, die Gemeinde Lautertal würde sich der Energiewende verschließen und die Verantwortung auf andere Kommunen abwälzen. Genau das Gegenteil ist der Fall. Im Ortsteil Rottenbach entsteht zur Zeit entlang der Autobahn auf einer Fläche von 17 ha der zweitgrößte Solarpark im Landkreis. Dieser erzeugt Strom für ca. 4700 Haushalte. Lautertal war zudem die erste Gemeinde in der Region, die regenerative Energie durch Windräder erzeugt hat und weiterhin erzeugt. Wer nun die Auffassung vertritt, die Gemeinde Lautertal habe hierdurch ihren Beitrag zur Energiewende übererfüllt, ist töricht und handelt verantwortungslos. Wir stehen auch weiterhin in der Pflicht, den Klimaschutz vor Ort voranzutreiben. 

Herr Braunschmidt schreibt zutreffend, dass der Ausbau von regenerativen Energien die Natur und die Landschaft beeinträchtigt. Diese Einschnitte müssen wir hinnehmen, wenn wir die Energiewende schaffen wollen. Dies wissen die Bevölkerung und die politischen Gremien.

Gerade deshalb sind die Kommunen in der Pflicht und tragen höchste Verantwortung dafür, dass die Einschnitte in die Natur möglichst gering gehalten werden und gleichzeitig eine hohe Energieeffizienz erzielt wird. Daher hat der Gemeinderat der Gemeinde Lautertal mit breiter Mehrheit beschlossen, Freiflächen-Photovoltaikanlagen weiterhin nur entlang der Autobahn zuzulassen. Dort ist der Einschnitt in die Natur bereits vorhanden und es wird keine unberührte Landschaft zerstört. Hier ist in Lautertal weiterhin Potenzial vorhanden, ebenso wie auf privaten und gewerblichen Dächern. Dieses Potenzial vorrangig zu nutzen, ist die Kernaussage des Gemeinderatsbeschlusses. Hierdurch soll die Erzeugung von Solarstrom und Landschaftsschutz in Einklang gebracht werden und die notwendige Akzeptanz in der Bevölkerung erreicht werden.


Klima- und Umweltschutz ist nicht nur auf den Ausbau von regenerativen Energien beschränkt. Deshalb hat die Gemeinde Lautertal unter Beteiligung aller politischen Fraktionen und Ortsbürgern den Arbeitskreis „Klima- und umweltfreundliches Lautertal“ gegründet. Der Arbeitskreis behandelt hierbei alle relevanten Themenbereiche, wie beispielsweise eben den Ausbau regenerativer Energien, die ökologische Nutzung gemeindlicher Flächen, den Ausbau des Radwegenetzes, die Verbesserung des ÖPNV, die energetische Sanierung kommunaler Gebäude, Energieeinsparung oder die naturnahe Gestaltung von Gärten.

Die Gemeinde Lautertal ist sich ihrer Verantwortung für den Klima- und Umweltschutz bewusst und wird wie bisher in hohem Maße ihren Beitrag dazu leisten.

 

Karl Kolb

Erster Bürgermeister