Neue Presse Coburg, Ausgabe vom 29.11.2019, Titelseite (Seite 1)
Entscheidung über Solarkraftwerk im Wintersportgebiet
Lautertal - In Lautertal entlädt sich massiver Protest gegen ein neues Solarkraftwerk, das auf der Anhöhe zwischen dem Skilift Neukirchen und der Tremersdorfer Flur errichtet werden soll.
In Bürgerversammlungen gab es überwiegend Ablehnung.
In der Sitzung am 5. Dezember will der Gemeinderat von Lautertal jetzt darüber beraten, ob er die Anlage genehmigt oder nicht. gs liege in seiner Hoheit, ,,ob die erforderlichen Bauleitverfahren eingeleitet und durchgeführt werden", betont Bürgermeister Kolb.
Bei der Entscheidungsfindung komme dem Landschaftsschutz „eine sehr hohe Bedeutung zu". Schließlich sei das Areal Erholungs- und Wintersportgebiet.
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Neue Presse Coburg, Ausgabe vom 19.11.2019, Seite 17, von Wolfgang Braunschmidt
Streit um neue Solaranlage
Bürger lehnen ein Photovoltaik-Projekt im oberen Lautertal ab. Der Gemeinderat befasst sich am 5. Dezember mit dem Thema.
Lautertal - Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) setzt darauf, dass die Bürgerinnen und Bürger bei der Energiewende mitziehen. Im Freistaat bedeutet das vor allem den Aufbau weiterer Windräder und Photovoltaikanlagen. Skeptiker wolle die Staatsregierung mit Beratung und Mitwirkung überzeugen. ,,Die Bürger müssen das selber wollen, dann müssen wir sie da nicht hinprügeln", sagte Aiwanger am Mittwoch im Landtag.
In Lautertal wird er auf Granit beißen. Dort entlädt sich massiver Protest gegen ein neues Solarkraftwerk, das die Burgkunstadter Südwerk Projektgesellschaft mbH auf der Anhöhe zwischen dem Skilift Neukirchen und der Tremersdorfer Flur errichten will. In den jüngsten Bürgerversammlungen wurde deutlich, was viele Lautertaler von dem Projekt halten: Nichts!
Der Antrag auf Einleitung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplanverfahrens mit Änderung des Flächennutzungsplans, die rechtliche Voraussetzung für die Installation des Sonnenkraftwerks, ist bei der Gemeindeverwaltung Lautertal am 22. November per E-Mail eingegangen, bestätigt Bürgermeister Karl Kolb. Die für die Photovoltaikanlage benötigte Fläche umfasst rund 47 Hektar. Das Gelände soll nach Angaben von Südwerk mit einem bis zu 2,30 Meter hohen Maschendrahtzaun mit Übersteigschutz gesichert werden. An welcher Stelle die Übergabe- bzw. Trafostation zur Einleitung des Stroms in das Leitungsnetz aufgestellt wird, ist der Gemeinde nicht bekannt, so der Bürgermeister. Alle Flächen, die für die Anlage benötigt werden, befinden sich bis auf staatliche und gemeindliche Wege in Privateigentum. Die Leistung wird mit 41.000 Kilowatt-Peak (kWp) angegeben. Damit sollen sich nach Angaben des künftigen Betreibers rund 13.100 Haushalte über eine Laufzeit von zunächst 20 Jahren mit regenerativem Strom versorgen lassen. Bei der benötigten Fläche handelt es sich nicht um Gebiete, die über die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH) geschützt waren oder sind, so Karl Kolb weiter. Ein Teilbereich von 9,2 Hektar gehöre zum Landschaftsschutzgebiet "Weißbachsgrund".
In der Sitzung am 5. Dezember wird der Gemeinderat von Lautertal darüber beraten, ob er die Anlage genehmigt oder nicht. Es liege in seiner Hoheit, ,,ob die erforderlichen Bauleitverfahren eingeleitet und durchgeführt werden", betont Bürgermeister Kolb. Bei der Entscheidungsfindung komme dem Landschaftsschutz „eine sehr hohe Bedeutung zu".
Schließlich sei das Areal auf der Anhöhe über dem Neukirchener Skilift ein Erholungs- und Wintersportgebiet. Hier habe Lautertal gerade mit Blick auf die Loipen und die Naherholung „im Landkreis Coburg ein Alleinstellungsmerkmal. Im Falle der Einleitung eines Bebauungsplanverfahrens werden auch hierzu die zuständigen Träger öffentlicher Belange gehört", erklärt der Bürgermeister.
Bei der Präsentation des Projekts im Gemeinderat habe Südwerk die Möglichkeit vorgestellt, die Anlage mit Schafen zu beweiden. Sie sollen den Bewuchs niedrig halten, sodass beispielsweise aufwendiges Grasmähen entfallen könnte. ,,Inwieweit dies tatsächlich zum Einsatz kommen würde, kann seitens der Gemeinde nicht beurteilt werden", sagt Karl Kolb.
Er betont ausdrücklich, dass er als Bürgermeister die Meinung des Gemeinderats nach außen vertreten müsse; allerdings habe sich das Gremium bislang noch nicht zu dem Solarpark geäußert. Karl Kolb wolle sich aber „nicht aus der Sache herauswinden". Deshalb sage er „als stimmberechtigtes Mitglied des Gemeinderats, dass ich den geplanten Standort für ungeeignet halte, da es sich dort um ein schützenswertes Erholungs- und Wintersportgebiet handelt". Was ihm aber noch wichtiger sei „ist die Meinung der Bürgerinnen und Bürger". Diese sei in den im November gehaltenen Bürgerversammlungen in allen Ortsteilen eindeutig: ,,Der Solarpark wird von der weit überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung abgelehnt. Eine Entscheidung für den Solarpark wäre eine Entscheidung gegen den Bürgerwillen."
Grundsätzlich vertrete der Lautertaler Bürgermeister die Auffassung, „dass regenerative Energien weiter ausgebaut werden müssen, auch in der Gemeinde Lautertal". Hierzu würden sich seiner Meinung nach die Flächen entlang der Autobahn eignen, ,,da dort der Einschnitt in die Natur bereits da ist". Dies sei die bessere Lösung, ,,als dass man an neue unberührte Flächen herangeht". Zudem müssten mehr Hausdächer und Gewerbeflächen für Photovoltaikanlagen genutzt werden.
Karl Kolb greift mit dieser Haltung die Meinung der Gegner der neuen Photovoltaikanlage auf. Sie weisen neben den Auswirkungen auf die Landschaft
(,, Wer will zwischen verspiegelten, blendenden und umzäunten Industrieflächen in Skiloipen seine Runden drehen?") auch darauf hin, dass Lautertal mit Blick auf die Energiewende seinen Beitrag bereits übererfüllt habe. Neben drei Windrädern bei Tremersdorf stehe bereits eine große Solaranlage an der Autobahn.
Zudem werde in der Rottenbacher Flur derzeit eine weitere Fläche mit 17 Hektar mit Solarmodulen ausgestattet.
Standorte für Solarkraftwerke seien grundsätzlich an Vorschriften gebunden. Möglich seien etwa bereits versiegelte Flächen, Grundstücke, die durch Siedlungen, Militär, Verkehr, Deponien oder Halden vorbelastet sind, sowie Gelände entlang von Autobahnen und Eisenbahnstrecken. Gegen Photovoltaik auf Wiesen und Äckern spreche der Verlust landwirtschaftlicher Flächen.
Das räumt auch Hans-Jürgen Rebelein, Coburger Kreisgeschäftsführer des Bayerischen Bauernverbands (BBV), ein. Allerdings stehe der BBV bei der Frage, ob Landwirte Äcker und Wiesen für Solaranlagen zur Verfügung stellen sollen, ,,zwischen den Stühlen. Auf der einen Seite fallen Flächen für die Bewirtschaftung weg, auf der anderen Seite bedeuten Photovoltaikanlagen für Landwirte eine Einnahmequelle." Nach Informationen der Neuen Presse werden zwisehen 1.500 und 2.000 Euro pro Hektar und Jahr bezahlt, was, so Rebelein, an der oberen Skala für erzielbare Pachtpreise liege. Ob Landwirte solche Erträge mit der Bewirtschaftung erzielen können, müsse ausgerechnet werden. Die Bodenqualität des Geländes zwischen dem Skilift Neukirchen und der Anhöhe bei Tremersdorf sei „nicht die beste, aber auch nicht ganz schlecht".
Allerdings sehe der BBV kritisch, „ob die Pachtpreise wirklich bis zum Ende der Laufzeit durchgehalten werden". Ein Negativbeispiel dafür seien die drei Windräder bei Tremersdorf. Deshalb müsse ganz genau auf die Formulierung der Verträge geachtet werden. Aber: ,,Letztlich entscheidet der Landwirt, ob er Gelände für Solaranlagen zur Verfügung stellt oder nicht", betont Hans-Jürgen Rebelein. Er müsse die Interessen der BBV-Mitglieder vertreten, ,,und wir wollen die Energiewende".
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Dieser Text ist der regionalen Tageszeitung Neue Presse Coburg entnommen unter Kennzeichnung des Autors. Auf die Internetpräsenz des Mediums wird hingewiesen: www.np-coburg.de
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Die ÜPW Lautertal sagt "Danke!"
Diesem Zeitungsartikel liegt folgende Stellungnahme der Gemeinde Lautertal zugrunde, welche der 1. Bürgermeister Karl Kolb kommentiert:
Am 22.11.2019 ging per Mail bei der Gemeindeverwaltung ein Antrag auf Einleitung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplanverfahrens mit Änderung des Flächennutzungsplans ein, der in der nächsten Gemeinderatssitzung am 05.12.2019 behandelt wird.
Auf die Frage, ob es um diese ca. 47 ha große Südwerk-Vorstellung eines (weiteren) "Solarparks" in Lautertal eine Einfriedung geben soll, lautet die Antwort: Ja, ein 2,00/2,30 Meter hoher Maschendrahtzaun mit Übersteigschutz (lt. Angabe SÜDWERK).
Es sind überwiegend private Grundstücke hiervon betroffen, mit Ausnahme staatlicher und gemeindlicher Wege.
Die Leistungsmerkmale:
Leistung: 41.000 kWp
Stromproduktion: 41.820.00 kWh/Jahr
13.100 durchschnittliche Privathaushalte
(alle Angaben lt. SÜDWERK)
Es handelte bzw. handelt sich nicht um FFH-Gebiete. Ein Teilbereich von 9,2 ha liegt im Landschaftsschutzgebiet „Weißbachsgrund“.
Die Entscheidungshoheit liegt beim Gemeinderat, ob die erforderlichen Bauleitverfahren eingeleitet und durchgeführt werden.
Den Belangen des Tierschutzes muss Rechnung getragen werden. Im Falle der Einleitung eines Bebauungsplanverfahrens werden hierzu die zuständigen Träger öffentlicher Belange gehört.
Auch dem Landschaftsschutz (Erholungs- und Wintersportgebiet) kommt eine sehr hohe Bedeutung zu. Insbesondere hinsichtlich der Naherholung und des Wintersports hat Lautertal im Landkreis Coburg ein Alleinstellungsmerkmal. Im Falle der Einleitung eines Bebauungsplanverfahrens werden auch hierzu die zuständigen Träger öffentlicher Belange gehört
Die Betriebsdauer würde 20 Jahre betragen mit optionaler Verlängerung um 10 Jahre (lt. Angabe des Betreibers). Vertraglich wäre eine Rückbaubürgschaft zu vereinbaren.
Bei der Präsentation des Vorhabens hat die Firma SÜDWERK auch die Möglichkeit der Beweidung mit Schafen vorgestellt. Inwieweit dies tatsächlich zum Einsatz kommen würde, kann seitens der Gemeinde nicht beurteilt werden.
Im Ortsteil Rottenbach stehen drei Windräder. Im Bau befindet sich zur Zeit die Photovoltaikfreifläche „Solarpark Rottenbach“ mit einer Gesamtfläche von 17 ha direkt entlang der Autobahn.
Erster Bürgermeister Karl Kolb: "In meiner Funktion als Bürgermeister muss ich die Meinung des Gemeinderates nach außen vertreten. Der Gemeinderat hat sich als Gremium bislang noch nicht zu dem Solarpark geäußert. Ich möchte mich aber nicht aus der Sache herauswinden. Deshalb sage ich als stimmberechtigtes Mitglied des Gemeinderates, dass ich den geplanten Standort für ungeeignet halte, da es sich dort um ein schützenswertes Erholungs- und Wintersportgebiet handelt. Was mir aber noch wichtiger ist, das ist die Meinung der Bürgerinnen und Bürger. Und diese war auf den im November abgehaltenen Bürgerversammlungen in allen Ortsteilen eindeutig: Der Solarpark wird von der weit überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung abgelehnt. Eine Entscheidung für den Solarpark wäre eine Entscheidung gegen den Bürgerwillen. Grundsätzlich vertrete ich die Auffassung, dass regenerative Energien weiter ausgebaut werden müssen, auch in der Gemeinde Lautertal. Hierzu eignen sich meiner Meinung nach die Flächen entlang der Autobahn, da dort der Einschnitt in die Natur bereits da ist. Dies ist die bessere Lösung, als dass man an neue unberührte Flächen herangeht. Zudem müssen vermehrt Dächer und Gewerbeflächen für Photovoltaik genutzt werden."